Ein Beitrag für SwissMarketWays. Von unserem Reporter und Analysten der neuen Handelszeitung.
Die Kreislaufwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Während viele Unternehmen in den vergangenen Jahren Recycling als Feigenblatt nutzten, rückt nun eine radikalere Perspektive ins Zentrum: die Wiederverwendung, das sogenannte Re-Use. Was auf den ersten Blick wie ein alter Gedanke wirkt Materialien nicht wegwerfen, sondern weiterverwenden fordert im Jahr 2026 ein tiefgreifendes Umdenken. Denn Kreislaufwirtschaft lässt sich nicht per Verordnung verordnen. Sie verlangt ein systemisches Vorgehen, das Produktion, Logistik, Digitalisierung, Regulierung und Konsumverhalten umfasst.
In der Schweiz, einem Land mit traditionell hohem Umweltbewusstsein, wird dieses Spannungsfeld besonders sichtbar. Deponien erreichen in manchen Kantonen ihre Kapazitätsgrenzen. Jedes Jahr werden tausende Fenster, Küchen, Stahlträger, Türen und Fassadenelemente entsorgt oft in einwandfreiem Zustand. Die Bauwirtschaft allein verursacht rund die Hälfte des Schweizer Abfallvolumens. Gleichzeitig fehlen Strukturen, um gebrauchte Materialien effizient zu erfassen, zwischenzulagern und wieder in Projektkreisläufe zurückzuführen.
Urban Mining. Die Stadt als Rohstofflager
Ein Begriff gewinnt wieder an Bedeutung: Urban Mining. Gemeint ist das «Bergwerk Stadt» also die Idee, Rohstoffe nicht in der Tiefe, sondern in der bestehenden Bausubstanz zu finden. Gebäude, die rückgebaut werden, enthalten enorme Mengen hochwertiger Materialien, die heute oft ungenutzt auf Halden oder in Verbrennungsöfen landen.
Urban Mining ist dabei mehr als ein technischer Prozess: Es ist eine neue Sicht auf die Ressource Stadt. Doch bislang scheitert der Gedanke häufig an der Logistik. Wer nutzt 20 gleichartige Fenster, die im Kanton Zürich ausgebaut und im Aargau weiterverwendet werden könnten? Wer organisiert Transport, Qualitätssicherung und Preisfindung? Und wer nimmt die Rolle des Intermediärs ein, der Angebot und Nachfrage zusammenführt?
Genau an dieser Stelle zeigt sich, weshalb Kreislaufwirtschaft systemisches Denken erfordert: Ohne digitale Plattformen, standardisierte Materialpässe und Zwischenlager wie Re-Use-Höfe bleiben gute Ideen theoretisch.
Re-Use-Höfe. Lokale Knotenpunkte für eine zirkuläre Ökonomie
In mehreren Regionen werden derzeit Re-Use-Höfe getestet, Orte, an denen gebrauchte Baumaterialien zwischengelagert, kategorisiert und weitervermittelt werden. Für Handwerksbetriebe, Architekten und Bauherren könnten sie der entscheidende „Missing Link“ zwischen Rückbau und Neubau werden.
Sie sind aber auch ein wirtschaftliches Signal: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur ökologisch motiviert, sie wird zum Markt. Materialien, die früher als Abfall abgeschrieben wurden, werden wieder zu handelbaren Gütern. Damit entsteht ein neues Ökosystem, das Logistikfirmen, Digitalanbieter, Architekten, Bauunternehmen und Versicherer gleichermaßen betrifft.
Warum der Wandel jetzt passieren muss
Die politischen Rahmenbedingungen sprechen eine klare Sprache: Bund und Kantone setzen zunehmend auf Ressourceneffizienz, CO₂-Reduktion und Kreislauffähigkeit. Die EU macht es vor, mit dem Green Deal und strengen Vorgaben zur Produkthaltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit. Schweizer Unternehmen, die sich im europäischen Markt bewegen, werden kaum darum herumkommen, sich an diese Standards anzupassen.
Gleichzeitig erhöhen steigende Rohstoffpreise den Druck auf die lineare Wirtschaft. In Branchen wie Bau, Maschinenbau oder Elektronik wird der Zugriff auf wiederverwertbare Komponenten zu einem strategischen Vorteil. Firmen, die früh in Re-Use-Strukturen investieren, sichern sich nicht nur Materialverfügbarkeit, sondern auch Wettbewerbsvorteile.
Chancen für Unternehmen und für SwissMarketWays
Für SwissMarketWays, das Unternehmen bei der Markterschliessung und Internationalisierung unterstützt, ergeben sich daraus gleich mehrere strategische Ansatzpunkte:
Positionierung als Innovationspartner
Unternehmen aus der Schweiz, aber auch aus Europa und Asien, suchen Expertise im Aufbau nachhaltiger Lieferketten. SwissMarketWays kann hier als Brücke fungieren zwischen Märkten, Behörden, Plattformanbietern und Logistikpartnern.
Unterstützung bei Markteintritten
Firmen aus der ASEAN-Region, die mit Kreislaufprodukten oder Re-Use-Technologien nach Europa expandieren wollen, benötigen Fachwissen zu Normen, Zulassungen und Marktmechanismen. SwissMarketWays kann diese Komplexität reduzieren und Zugang zu Entscheidungsträgern verschaffen.
Entwicklung neuer Kooperationsmodelle
Re-Use funktioniert nur im Netzwerk. SwissMarketWays kann Cluster bilden etwa zwischen Baumaterialbörsen, Re-Use-Höfen und Herstellern, die kreislauffähige Produkte entwickeln.
Trendmonitoring und Research
Da Regulierung und Technologien sich dynamisch verändern, wächst der Bedarf an belastbaren, kontinuierlich aktualisierten Marktanalysen.
Die Zukunft ist zirkulär und international
Die Kreislaufwirtschaft von 2025 ist mehr als ein grünes Schlagwort. Sie ist ein wirtschaftlicher Imperativ und eine Chance für Unternehmen, die früh verstehen, dass Wiederverwendung, Urban Mining und systemisches Denken neue Handelsstrukturen schaffen.
Für SwissMarketWays ergibt sich daraus eine ideale Gelegenheit: Unternehmen auf diesem Weg nicht nur zu begleiten, sondern als aktiver Gestalter einer zirkulären Wirtschaft mitzuwirken in der Schweiz, in Europa und weit darüber hinaus.
